Wenn Sie sich nun den menschlichen Körper so anschauen, wie er in Wirklichkeit ist, dann sehen Sie sofort, wie es schon der griechische Philosoph Heraklit ausdrückte, dass dieser Körper nicht eine in Raum und Zeit fixierte, erstarrte Skulptur ist. Er ist eher mit einem Fluss vergleichbar, einem aus Energie und Information bestehenden Fluss. Ein Fluss hat etwas Geheimnisvolles: Wenn Sie ihn betrachten, dann sieht er zu verschiedenen Zeiten immer gleich aus, obwohl er in der Tat jedes Mal neu ist. Heraklit sagte, Du kannst nicht zweimal in den selben Fluss steigen.
Ein Fluss ist ein klassisches Beispiel für das, was die indischen Rishis als Maya (Illusion) bezeichnen. Er verschafft Ihnen die Illusion von etwas, was in Wirklichkeit ganz anders ist. Er verschafft Ihnen die Erfahrung von Nicht-Veränderung, während er sich jedoch laufend verändert. Wie bei einem Fluss, so können auch Sie nicht zweimal in dieselben Gebeine, Gedärme und Hauthüllen steigen, denn in jeder Sekunde Ihrer Existenz wird Ihr Körper erneuert. Sie wechseln ihn leichter und spontaner als Sie Ihre Kleider wechseln. Sie benutzen zum Sitzen auf Ihren Stühlen nicht dieselben Körper, mit denen Sie vor kurzem hereinspaziert sind. Sie können eine ganze Anzahl von Vorgängen heranziehen und feststellen, dass das buchstäblich so ist.
Zum Beispiel der Vorgang des Essens, des Atmens, des Verdauens, des Stoffwechsels, der Ausscheidung und auch des Bewusstseins. Mit einem einzigen Atemzug nehmen wir ca. 10 hoch 22 Atome unseres Universums auf, das ist eine Zahl mit 22 Nullen. Diese beträchtliche Menge Rohmaterial aus dem Universum verteilt sich bis in die hintersten Ecken und Winkel unseres Körpers, bis in die Gehirnzellen, Herzzellen, Nierenzellen usw. Beim Ausatmen stoßen wir ca. 10 hoch 22 Atome aus, die aus jedem Teil unseres Körpers kommen. Das heißt, dass wir buchstäblich Teile unseres Herzens und unseres Gehirns und unseres Nierengewebes usw. ausatmen, und wir so gesehen dadurch andauernd und in intimer Weise unsere Organe miteinander teilen.
Der amerikanische Dichter Walt Whitman sagte: “Jedes zu dir gehörende Atom gehört auch zu mir.” Das ist ganz wörtlich gemeint.
Untersuchungen des menschlichen Körpers mittels radioaktiven Isotopen gestützt auf mathematischen Berechnungen haben zweifelsfrei ergeben, dass jetzt, gerade jetzt, in Ihrem physischen Körper eine Million Atome zu finden sind, die einst im Körper von Christus waren oder in dem von Buddha, Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Saddam Hussein! Nehmen Sie irgendeinen Menschen, der je auf diesem Planeten gelebt hat – in Ihrem physischen Körper kommt Rohmaterial vor, das in jenem physischen Körper war. Betrachten wir nur die drei letzten Wochen: Schätzungsweise eine Quadrillion Atome gingen in dieser Zeit durch Ihren Körper.
Atome, die früher einmal durch den Körper jeder lebenden Gattung auf diesem Planeten gingen. Und binnen weniger als einem Jahre ersetzen Sie 98% aller Atome Ihres Körpers. Das bedeutet: Sie machen alle sechs Wochen eine neue Leber, alle drei Monate ein neues Skelettsystem, obwohl es so hart und solide erscheint, monatlich eine neue Haut, alle fünf Tage neue Magenwände. Sogar die Gehirnzellen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff gab es vor einem Jahr noch nicht. Selbst die ebenfalls auf den Rohstoffen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff basierende DNA, welche die Erinnerungen von jahrmillionen langer menschlicher Evolution speichert, entsteht und vergeht alle sechs Wochen, wie eine kurzlebige Knospe oder Blüte. Wenn Sie es nun genau nehmen wie ein Buchhalter, wenn Sie jedes Atom und jedes Stückchen Gewebe und jedes Tröpfchen mitzählen, dann kommen Sie zu dem Schluß, dass in weniger als zweieinhalb Jahren Ihr ganzer Körper, jeder Teil davon, bis zum letzten Atom ersetzt wird.
Wenn Sie denken “ich bin mein Körper”, dann geraten Sie in Verlegenheit: Welchen Körper meinen Sie eigentlich? Das diesjährige Modell ist nicht dasselbe wie das letztjährige und auch nicht das dasselbe vom letzten Monat. Jeder Teil dieses Körpers, den ich benutze, um hier zu sein und mich auszudrücken, ist neu verglichen mit dem vom letzten Jahr und doch: Etwas davon hat sich anscheinend nicht verändert, nämlich meine Hoffnungen, Erwartungen, Träume, Ideen, Konzepte, Meinungen, Überzeugungen, meine Philosophie und Ideologie. Diese “hängen” hier anscheinend etwas länger herum als mein physischer Körper. Meine Gedanken haben offenbar eine etwas größere Lebensdauer als meine Moleküle. Aber auch die Gedanken ändern sich natürlich.
Sowohl meine Gedanken als auch meine Gefühle kommen und gehen von Augenblick zu Augenblick; sie scheinen jedoch die physische Form meines Körpers zu überleben. Vielleicht kann man sagen, dass meine Gedanken und Gefühle sich fortwährend in meinen neuen physischer Körper, im Hier und Jetzt, gerade jetzt in dem Augenblick, reinkarnieren. Meine Hautzellen erneuern sich jeden Monat, aber sie vergessen den Unterschied zwischen heiß und kalt nicht; ich habe alle fünf Tage neue Magenzellen, dennoch sind sie in der Lage, Hydrochloridsäure zu produzieren; meine Geschmacksknospen werden alle fünf Wochen ausgetauscht, ohne dass sie den Geschmack von Erdbeereis vergessen. Und auch meine DNA, alle sechs Wochen erneuert, behält die Erinnerung an die ganze evolutionäre Entwicklung der Menschheit.
Also ist mein Körper nur der Ort, den meine Erinnerungen jetzt gerade als “ihr Zuhause” bezeichnen. Vielleicht ist DNS überhaupt kein Ding, sondern Leben schlechthin. Ein abstraktes Bewusstseinsfeld, das als Materie in Erscheinung tritt, also sozusagen die Materie als Maske trägt. Vielleicht ist der Körper keine physische Maschine, die Denken gelernt hat, vielleicht ist es gerade umgekehrt: Wir sind Intelligenz-Impulse, Gedanken, die gelernt haben, einen physischen Körper zu bilden. Dasselbe würde für das ganze Universum gelten.
Ist das plausibel? Wenn Sie einem Physiker die Frage stellen würden “Woraus besteht eigentlich das materielle Universum oder ein Körper?”, was würde er sagen? Seine Antwort wäre: Ein Körper besteht aus Atomen und die Atome setzen sich aus Teilchen zusammen; diese sind jedoch nicht feste Objekte, sie sind nur Fluktuationen aus Energie und Information in einer großen Leere von Energie und Information.
Wenn Sie den Körper mit den Augen eines Physikers anschauen, dann sehen Sie nichts anderes als eine riesige Leere, in der es ein paar verstreute Fleckchen und Pünktchen gibt und dazu einige zufällige elektrische Entladungen. Denn so ist eben der menschliche Körper: 99,999999 Prozent davon bestehen vor allem aus leerem Raum, wie auch das übrige Universum. Und dieses 0,000001 Prozent, das uns als Materie erscheint, besteht ebenfalls aus leerem Raum! Also ist ALLES leerer Raum. Die Frage ist nur, was ist die wahre Natur dieses leeren Raumes? Ist es ein Leersein von Nichts oder könnte es etwa eine Fülle nicht-materieller Intelligenz sein? Unser innerer Raum, der mit erstaunlicher Kreativität alles mögliche hervorbringt: Richtig und Falsch, Gut und Böse, Wonne und Schmerz, alles was wir als gegeben hinnehmen und was das Leben lebenswert macht – was ist dieser innere Raum eigentlich?
Vielleicht ist er nicht ein Leersein von Nichts, sondern in der Tat der Schoß der Schöpfung selbst. Er ist möglicherweise Teil eines Kontinuums, und zwar derart, dass es keinen Unterschied mehr zwischen diesem inneren Raum und dem äußeren Raum gibt.
